E-Books in und aus Bayern
Die Statistiken der E-Book-Reader-Verkäufe vor Weihnachten bedeuten mir, dass ich nicht die einzige bin, die seit dem 24.12. solch ein hübsches Ding besitzt. Ich habe mir ganz absichtlich keinen Amazon-Kindle gewünscht, weil es mich ärgert, wenn ein Unternehmen sein eigenes Daten-Format erfindet und zugleich das Standard-Format ePub nicht unterstützt, und das vermutlich nur, um seinen Kunden das Einkaufen bei anderen Anbietern zu erschweren (und im Falle von weniger technikaffinen Menschen vermutlich sogar zu verunmöglichen). Das hat allerdings zur Folge, dass ich keine zentrale Anlaufstelle für meine Suche nach elektronischer Literatur habe, denn fest steht natürlich: Das Amazon-Angebot ist hervorragend, man findet dort nicht nur alle deutschsprachigen E-Books, die aktuell auf dem Markt sind, sondern auch eine Menge fremdsprachige und vor allem viele kostenlose E-Books sowie E-Books, die Autoren auf eigene Rechnung anbieten („Kindle Direct Publishing“-Programm). Aber, wie gesagt, ich wollte keinen Kindle, und deshalb muss ich nun gucken, wo ich bleibe. Und da ich vermutlich nicht die einzige bin, der es so geht, gebe ich hier mal einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten, an E-Books zu kommen – natürlich mit besonderem Augenmerk auf Bayern
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Um die Bedrohung, die das E-Book für den stationären Buchhandel darstellt, ein wenig zu mindern, hat der Branchenverband Börsenverein das Portal libreka installiert. Dort gibt es alle lieferbaren deutschsprachigen E-Books sowie eine annehmbare Menge an englisch- und französischsprachigen. Wer dort ein E-Book kauft, muss sich im nächsten Schritt für eine Buchhandlung entscheiden, die diesen Kauf abwickelt und den entsprechenden Umsatz aufs eigene Konto verbucht. Manche haben diesen Bestellvorgang als zu langsam und/oder kompliziert kritisiert – das fand ich nicht. Für ein echtes Problem halte ich jedoch die unübersehbaren Metadaten-Mängel: In der Liste der englischsprachigen E-Books finden sich zum Beispiel auch deutsche Bücher; die nach „Relevanz“ geordnete Liste liest sich für mich reichlich seltsam (an zweiter Stelle stand ein Roman, der noch gar nicht erschienen ist), und auch ansonsten scheint mir da noch einiges im Argen zu liegen. Dass etwa die (gedruckte!) Große Brandenburger Ausgabe der Werke von Theodor Fontane für nur 0 Euro zu haben ist, kann ich mir kaum vorstellen. Soll heißen: Einkaufen lässt es sich bei libreka ganz gut, jedoch sollte man besser vorher wissen, was man sucht, denn zum Stöbern ist das Portal absolut nicht geeignet.
Kostenlose E-Books wiederum hole ich mir vor allem an zwei verschiedenen Stellen: bei Amazon und bei meiner Stadtbibliothek (für eine Jahresgebühr von 20 Euro). Amazon hat, wie gesagt, ein äußerst umfangreiches Sortiment an kostenlosen E-Books, da es mit der Online-Volltext-Bibliothek Zeno zusammen arbeitet. Im Kindle-Shop gibt es kostenlos im Grunde alle Werke, die urheberrechtsfrei sind: Jean Paul, Jakob Wassermann, Agnes Sapper, Klabund, Paul Heyse und so weiter. Allein, man hat das Formatproblem zu lösen, aber das ist eigentlich nicht schwer: Wer keinen Kindle besitzt, muss sich nur das kostenlose Programm „Kindle for PC“ herunterladen und anschließend die Kindle-Dateien in ePub-Dateien umwandeln (am besten mit dem ebenfalls kostenlosen Programm Calibre). Und wenn man einmal begriffen hat, wie´s funktioniert, ist das gar nicht so umständlich, wie es hier vielleicht klingt.
Schließlich und endlich mein E-Book-Lieblingsort: meine Stadtbibliothek. Für 20 Euro Jahresgebühr kann ich in deren Virtueller Bibliothek (andere nennen´s Medientanke) mehr elektronische Literatur ausleihen, als ich in den sieben, zehn oder zwölf Tagen, auf die die Verfügbarkeit technisch begrenzt wird, lesen kann. Das System halte ich für unkompliziert, bislang hat alles immer tadellos funktioniert, und vor allem: Hier finde ich eben nicht nur urheberrechtsfreie Texte aus dem vorigen Jahrhundert, sondern jede Menge zeitgenössische Literatur. Welche bayerischen Bibliotheken bereits die „Onleihe“ anbieten und alles, was man sonst noch darüber wissen muss, erfährt man auf onleihe.net. Das Angebot wird stetig ausgebaut – ich denke, die Bibliotheken haben durchaus verstanden, dass das E-Book die große Chance für eine richtiggehende Bibliotheks-Renaissance darstellt (auch wenn, klar, Bibliotheken noch nie in ihrer Geschichte keine Rolle spielten).
Erst vor ein paar Tagen wurde der baldige Start der Franken-Onleihe verkündet, für die sich 16 fränkische Bibliotheken zusammenschließen, um digitale Inhalte gemeinsam zu erwerben und ihren Nutzern gemeinsam zur Verfügung zu stellen. Anfang Februar will man mit rund 5.000 E-Medien online gehen, Ende des Jahres soll das Angebot auf 10.000 angewachsen sein. Das sind wirklich gute Nachrichten! Nun müssten die Bibliotheken nur noch über ausreichend Finanzmittel verfügen, um auch laut und deutlich kund zu tun, wie gut ein E-Book-Leser bei ihnen aufgehoben ist. Da sie die aber nicht haben, mache ich das eben hier für sie – und füge deshalb auch gleich noch Eines an, das mir am Onleihen so gut gefällt: Ich lese deutlich mehr, seit ich digital ausleihe – weil jedes Buch mit einer Uhr versehen ist, die anzeigt, wie viele Tage noch verbleiben, bevor die Lizenz erlischt, und ich natürlich keinesfalls erleben will, dass ich ein Buch nicht mehr öffnen kann, obwohl ich dessen Ende noch nicht kenne.
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Ich persönlich empfinde die Entwicklung bei den E-Books als sehr erfreulich. Und ich bin mir sicher, dass sich noch viel tun wird.
Eine kleine Anmerkung zu Amazons Kindle und propriäterem Format:
Es ist richtig, dass Amazon hier eigene Wege geht, aber es ist auch Fakt, dass Amazon mit den Kindle Readern gleichzeitig eine plattformunabhängige Möglichkeit bietet. Man kann also sowohl auf dem iPhone (und iPad) wie auch allen Android Geräten und sogar am PC (wie hier erwähnt) die E-Books lesen. Und diese Geräte erlauben auch das Lesen der EPub Formate (mit eigenen Apps und Programmen). Zwar fehlt hier die eInk-Technologie, aber dafür bieten die genannten Geräte ja bekanntlich andere Vorteile
Es gibt sogar ein neues Webportal aus München, daß Autoren die Erstellung von e-books anbietet und auf dem man viele kostenlose e-books downloaden kann : http://www.bookrix.de