Eine Jugend in Deutschland von Ernst Toller im BR-Hörspiel-Pool

5. Februar 2010
Von Katrin Schuster
Kategorie Audio & Video, Über Texte & Autoren

Über das Hörspiel Eine Jugend in Deutschland nach den gleichnamigen Erinnerungen des politischen Schriftstellers – oder schriftstellernden Politikers? – Ernst Toller möchte man am liebsten nur zwei Worte verlieren. Und die lauten: Steven Scharf. Es ist vor allem dessen Diktion, die diese brilliante akustische Umsetzung ausmacht; dieser Tonfall des kindlich-naiven Rapports, dieses Hörbarmachen der Verwunderung über die faktische Welt, diese Entschiedenheit in der subjektiven Feststellung: Das ist Toller, tatsächlich. Den Tonfall des Buches, der nicht selten für Irritationen sorgte, transformiert Scharf in eine Reihung monolithischer, distanziert intonierter Bruchstücke (wofür wohl auch der Regisseurin Katja Langenbach zu danken ist), die nicht nur den Expressionismus der dichterischen Werke Tollers hörbar machen, sondern auch seine strikte Verunsicherung angesichts der zeitgenössischen Gesellschaft. Toller – geboren 1893, 1914 kriegsbegeistert, seit den Erfahrungen an der Front Pazifist, beteiligt an der 1919er-Revolution sowie der Münchner Räterepublik, anschließend Häftling, Dramatiker, Emigrant und Selbstmörder (1939) – darf getrost als einer der ganz großen Vergessenen dieses Landes gelten. Besser als Steven Scharf kann man es kaum anstellen, ihn wieder ins nationale Gedächtnis zurück zu rufen.

Zum Download des Stücks im BR-Hörspiel-Pool …

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